Mittwoch, 22. Februar 2017
immer noch Tag 14.
Nach der Kaffeepause wurden noch die Überschneidungen besprochen, denn so klar abgrenzen kann man die Erwartungen nicht. Wenn Ihr genau die Ergebnisse gelesen habt, konntet Ihr feststellen, dass manche Punkte auch bei einer anderen Gruppe auftauchen.
Unsere zweite Trialogübung: Perspektivdreieck-Trialog, das heißt, die drei Gruppen verteilen sich auf die drei Seiten eines Dreiecks (Angehörige / Profis / Erfahrene), jede/r spricht aus der jeweiligen Perspektive und wandert nach 10. Minuten zur nächsten Seite. Ich kann ja nur von mir sprechen, doch bei der Gruppe Angehörige und Erfahrene konnte ich viel beitragen, da ich ja die Situationen gut kenne; eigentlich waren es von allen Gruppen nur gegenseitige Vorwürfe. Es ging um Themen wie Unterbringung, Medikation, Therapieformen, zu wenig Gesprächstermine usw. Wir alle haben eben diese Beobachtungen selbst erlebt und möchten dies auch öffentlich machen. Auch das ist ein langer Weg, den wir geduldig gehen werden.
Mittagspause.
Durch die Unterbrechung wurden wir neu gestärkt. Manche gehen in der Mittagspause spazieren, andere halten einen Dialog und wieder andere machen Musik mit Gitarre, Querflöte und allerlei Schlaginstrumente. Das ist richtig entspannend und als Gruppe wachsen wir immer mehr zusammen.
Ein Dozent brachte uns dann in Bewegung, indem wir eine Körperübung im geschlossenen Kreis machten und im Rhythmus der Teilnehmer so langsam im Kreis gehen, immer im Einklang mit dem Nebenmann. So konnte man die Augen schließen und sich ganz tragen lassen.
Weiter ging es mit einem Trialogischen Rollenspiel I: die besetzenden Rollen waren: Psychiatrieerfahrener, Schwester oder Bruder, Vater und Mutter, Bezugsbetreuer (dies ist sein dritter Einsatz heute) und Beobachter (macht Notizen). Ich hatte die Rolle des Beobachters und verfolgte die Szene und hörte aufmerksam dem Gespräch zu. Alle Beteiligten spielten ihre Rolle richtig gut, besonders der Betreuer hat super reagiert und klare Regeln im Beisein der Eltern aufgestellt und den Psychiatrieerfahrenen aus der Situation geholt, zu seinem Schutz. Als Betroffener ist es schwer, seine Meinung zu vertreten und auch dabei zu bleiben. Oft wird man unter Druck gesetzt und reagiert dann so, wie der Angehörige es will. Auch, weil man dann in Ruhe gelassen wird. Es wird alles geschluckt, weil man nicht weiß, wie man diese schwierige Zeit sonst ertragen kann. Man wird ganz klein und unsicher, langsam aber sicher verschwindet man.
Anschließend mussten wir beim Trialogischen Rollenspiel II die Rollen tauschen. Folgende Situation: Betroffener, der sich nahe oder in einer psychischen Krise befindet, ist zu Weihnachten nach vielen Monaten erstmals wieder "daheim". Mutter/Vater haben ihn lange überreden müssen, damit er überhaupt kommt. In dieser Familie spielt der Alkohol eine große Rolle. Die Familie sitzt am Tisch, als es zu einem Streit kommt, in dessen Verlauf eine oder beide Elternteile zunehmend den Sohn unter Druck setzen und die Situation eskaliert. Der Sohn ruft seinen Betreuer an und verlässt die Familie.
Soweit sind die Rollen klar besetzt, ich wollte meine Mutter spielen (ist oft betrunken und sucht immer Gelegenheiten, weiterzutrinken; aggressiv und bestimmend), ein Teilnehmer spielt den Vater (dieser ist eher ruhig). Ich wollte einfach mal wissen wie es sich anfühlt, wenn man Familienangehörige und vor allem sein Kind so verletzend behandelt und demütigt. Genau diese Situation herrschte bei uns sehr, sehr oft; nicht nur an Weihnachten. Im Alltag, bei Freunden, in der Gaststätte, beim Einkaufen. Ich war ständig in Gedanken fluchtbereit und zog den Kopf ein.
Also fingen wir an....... und nach nur 5 Minuten tauschten mein Teilnehmer und ich die Rollen, ohne Absprache. Ich konnte gar nicht meine Mutter spielen, da er meine Rolle übernahm, jedoch in einer Art und Weise, die uns alle überraschte. Er spielte sein Sache sehr sicher, ich wurde immer kleiner, sank in mich zusammen und sah auf einmal meine Mutter da sitzen. Ich habe im Geiste einfach die Gesichter ausgetauscht und habe mich 40 Jahre zurückversetzt in unser Wohnzimmer. Der Teilnehmer, der den Sohn spielte, fing nach kurzen Ansprachen und Protesten wirklich an zu weinen und ist aufgestanden um zu gehen. Er ging auch, um kurz später wieder zu kommen und es nochmals zu versuchen. Keine Chance, er wurde wieder in Grund und Boden geschrien. Der Teilnehmer, der den Vater spielte, kam aus seiner Rolle gar nicht mehr heraus. Ich konnte gar nichts mehr fühlen, nur Ohnmacht und Sprachlosigkeit. Habe ich das Gesehene und Gehörte wirklich so lange ertragen? Habe ich wirklich immer wieder versucht, gute Stimmung nach so einem Krach zu machen? Mit dem Ergebnis: ausgelacht und weggeschickt.
Der Dozent hat dann auf einmal das Rollenspiel gestoppt, er lief aus dem Ruder. Ich weiß nicht, ob ihr nachempfinden könnt, was in uns vorging. Stille, große Betroffenheit und Fragen, wie so was passieren konnte. Zusammen versuchten wir uns zu beruhigen und uns zu fragen, was in jedem Einzelnen dabei vorging. Der Teilnehmer, der den Vater spielte, war über sich selbst so schockiert. Er konnte nicht glauben was er da gespielt hat (sein Vater war Alkoholiker, was er danach erzählte). Auch in den anderen Gruppen gingen manche an die frische Luft, ein Dozent zur Betreuung mit. Ganz im Innern sitzen noch Dinge, die man so im Alltag nicht spürt. Diese tiefe Verletzungen kommen bei solchen Begegnungen dann nach draußen, mit voller Wucht. Mein persönliches Fazit: das war eine Familienaufstellung mit lebenden Figuren. Und das geht ganz schön unter die Haut.
Kaffeepause.
Der Tag war aber noch nicht zu Ende. Nach der Pause durften wir einen Filmausschnitt über "20 Jahre Trialog" anschauen, doch keiner konnte sich so richtig konzentrieren. Der Kopf war übervoll, die Emotionen beherrschten die Gedanken, wir hatten Mühe sitzenzubleiben.
Kleiner Hinweis. Wer mehr über Trialog wissen will: www.trialog-psychoseseminar.de
Feierabend, endlich nach Hause. Ich ging noch einkaufen, kochte mir etwas Leckeres und dann versuchte ich zu schlafen, oberflächlich aber ganz gut.
14. Tag - Perspektivwechsel
Gestern haben wir ja schon gelernt und erlebt, wie ein Trialog ablaufen kann. Ein Trialog hilft nicht, eine Lösung zu finden, sondern ist ein informeller Austausch, soll das Verständnis füreinander wecken und sich gegenseitig stehen lassen. Soweit so gut, aber ich habe mittlerweile gelernt, dass die praktischen Übungen immer sehr nachhaltig sind und einen noch eine ganze Weile beschäftigen.
Unsere erste Trialogübung: a.)Was erwarte ich als Angehöriger von Profis/Erfahrenen? b.) Was erwarte ich als Profi von Erfahrenen/Angehörigen? c.) Was erwarte ich als Erfahrener von Angehörigen/Profis? ... im gemeinsamen trialogischen Miteinander? Wo überschneiden sich die Erwartungen der drei Gruppen?
Unsere Ergebnisse der drei Gruppen könnt Ihr hier sehen:
Kaffeepause.
Gestern haben wir ja schon gelernt und erlebt, wie ein Trialog ablaufen kann. Ein Trialog hilft nicht, eine Lösung zu finden, sondern ist ein informeller Austausch, soll das Verständnis füreinander wecken und sich gegenseitig stehen lassen. Soweit so gut, aber ich habe mittlerweile gelernt, dass die praktischen Übungen immer sehr nachhaltig sind und einen noch eine ganze Weile beschäftigen.
Unsere erste Trialogübung: a.)Was erwarte ich als Angehöriger von Profis/Erfahrenen? b.) Was erwarte ich als Profi von Erfahrenen/Angehörigen? c.) Was erwarte ich als Erfahrener von Angehörigen/Profis? ... im gemeinsamen trialogischen Miteinander? Wo überschneiden sich die Erwartungen der drei Gruppen?
Unsere Ergebnisse der drei Gruppen könnt Ihr hier sehen:
Kaffeepause.
Montag, 20. Februar 2017
13. Tag - Trialog
Das ist jetzt schon das 5. Modul und damit fast schon Halbzeit, und damit ist der Grundkurs auch abgeschlossen. Es folgt mit dem nächsten Modul dann der Aufbaukurs, und ich habe schon gehört dass es noch schwerer werden wird. Geht das noch?
Dieser Tag war ein Überraschungspaket, denn wir wussten nicht was es heißt, in einen Trialog zu gehen. Vor längerer Zeit erhielten wir eine Einladung dazu, auch durften wir Angehörige und Betreuer oder unsere Psychotherapeuten hierzu einladen. Pit war ja leider nicht da, aber meine beiden Kinder kamen, und diese Runde bestand zum Schluss aus ca. 40 Personen.
Bevor die Gäste eintrafen, hatten wir noch eine kurze Einleitung was ein Trialog ist, seit wann es ihn gibt und wie die Kultur eines Trialoges aussieht. Die Kultur eines Trialoges soll: Geschichten erzählen, nach Sinn suchen, ein subjektiver Austausch sein, akzeptiertes Chaos und die Suche nach individuellen Wegen.
Kaffeepause.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurden wir in 3 Gruppen aufgeteilt, in der jeweils ein Thema gewählt wurde, das dann in der großen Runde zur Diskussion gestellt war. Meine Kinder waren in unterschiedlichen Gruppen, so hatten wir leider gar keinen Anteil an dem Anderen. Erst wieder im großen Kreis als es darum ging, über ein Thema abzustimmen. Und dieses Thema lautete: Wie gehen Profis, Betroffene und Angehörige mit der Angst um? Da von jeder Gruppe genügend Vertreter waren, kam ein interessanter und abwechslungsreicher Trialog zustande. Die Sicht einer Betroffenen kenne ich ja, die der Angehörigen zu hören war eine weitere neue Sichtweise für mich, vor allem, als sich meine Kinder zu Wort meldeten und über ihre Eindrücke sprachen. Ich war tief im Herzen sehr gerührt, das hatte ich vorher von ihnen nicht gehört. In der Vergangenheit und während meiner Krankheit sprachen wir leider auch nicht mit unseren Kindern darüber. Wir wollten sie schützen, indem wir so gut es ging versuchten, die Depression von mir zu verbergen. Heute würde ich es nicht mehr so entscheiden, damals war ich ja auch noch nicht so reich an Wissen wie heute.
Ich fand es sehr interessant, wie Profis mit ihrer Angst umgehen, wenn ein Notfall eingeliefert wird. Wie sie es schaffen, neutral zu bleiben und emotional das Erlebte aushalten. Eine Psychologin hat geschildert, dass es beruflich für sie nicht so schlimm ist, mit den Patienten umzugehen. Das findet auf der beruflichen Ebene statt, aber in ihrem Familienkreis haben sie im Moment auch eine betroffenen Angehörigen und das macht ihr zu schafften, weil es sie in der emotionalen Ebene trifft.
Da ist sie dann manchmal auch machtlos und verzweifelt.
Kaffeepause.
Nachdem die Gäste dann verabschiedet wurden, fand noch eine kleine Nachbesprechung und eine Blitzlichtrunde statt. Auch in diesem kleinen Kreis gab es viele verschiedene Meinungen und Gedanken dazu, das alles wirkt in mir nach. Ich kann nicht rausgehen und den Schalter umlegen und sagen, gut war es. Denn das ganze Diskutieren und Besprechen hat mit meinem Innersten zu tun. Mit meinem Leben, meiner Vergangenheit. Damit gilt es umzugehen und einen Weg zu finden, bei allen Krisen die noch kommen sollten, die Hoffnung nie zu verlieren und den Mut zu haben, weiterzugehen.
Das ist jetzt schon das 5. Modul und damit fast schon Halbzeit, und damit ist der Grundkurs auch abgeschlossen. Es folgt mit dem nächsten Modul dann der Aufbaukurs, und ich habe schon gehört dass es noch schwerer werden wird. Geht das noch?
Dieser Tag war ein Überraschungspaket, denn wir wussten nicht was es heißt, in einen Trialog zu gehen. Vor längerer Zeit erhielten wir eine Einladung dazu, auch durften wir Angehörige und Betreuer oder unsere Psychotherapeuten hierzu einladen. Pit war ja leider nicht da, aber meine beiden Kinder kamen, und diese Runde bestand zum Schluss aus ca. 40 Personen.
Bevor die Gäste eintrafen, hatten wir noch eine kurze Einleitung was ein Trialog ist, seit wann es ihn gibt und wie die Kultur eines Trialoges aussieht. Die Kultur eines Trialoges soll: Geschichten erzählen, nach Sinn suchen, ein subjektiver Austausch sein, akzeptiertes Chaos und die Suche nach individuellen Wegen.
Kaffeepause.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurden wir in 3 Gruppen aufgeteilt, in der jeweils ein Thema gewählt wurde, das dann in der großen Runde zur Diskussion gestellt war. Meine Kinder waren in unterschiedlichen Gruppen, so hatten wir leider gar keinen Anteil an dem Anderen. Erst wieder im großen Kreis als es darum ging, über ein Thema abzustimmen. Und dieses Thema lautete: Wie gehen Profis, Betroffene und Angehörige mit der Angst um? Da von jeder Gruppe genügend Vertreter waren, kam ein interessanter und abwechslungsreicher Trialog zustande. Die Sicht einer Betroffenen kenne ich ja, die der Angehörigen zu hören war eine weitere neue Sichtweise für mich, vor allem, als sich meine Kinder zu Wort meldeten und über ihre Eindrücke sprachen. Ich war tief im Herzen sehr gerührt, das hatte ich vorher von ihnen nicht gehört. In der Vergangenheit und während meiner Krankheit sprachen wir leider auch nicht mit unseren Kindern darüber. Wir wollten sie schützen, indem wir so gut es ging versuchten, die Depression von mir zu verbergen. Heute würde ich es nicht mehr so entscheiden, damals war ich ja auch noch nicht so reich an Wissen wie heute.
Ich fand es sehr interessant, wie Profis mit ihrer Angst umgehen, wenn ein Notfall eingeliefert wird. Wie sie es schaffen, neutral zu bleiben und emotional das Erlebte aushalten. Eine Psychologin hat geschildert, dass es beruflich für sie nicht so schlimm ist, mit den Patienten umzugehen. Das findet auf der beruflichen Ebene statt, aber in ihrem Familienkreis haben sie im Moment auch eine betroffenen Angehörigen und das macht ihr zu schafften, weil es sie in der emotionalen Ebene trifft.
Da ist sie dann manchmal auch machtlos und verzweifelt.
Kaffeepause.
Nachdem die Gäste dann verabschiedet wurden, fand noch eine kleine Nachbesprechung und eine Blitzlichtrunde statt. Auch in diesem kleinen Kreis gab es viele verschiedene Meinungen und Gedanken dazu, das alles wirkt in mir nach. Ich kann nicht rausgehen und den Schalter umlegen und sagen, gut war es. Denn das ganze Diskutieren und Besprechen hat mit meinem Innersten zu tun. Mit meinem Leben, meiner Vergangenheit. Damit gilt es umzugehen und einen Weg zu finden, bei allen Krisen die noch kommen sollten, die Hoffnung nie zu verlieren und den Mut zu haben, weiterzugehen.
Montag, 30. Januar 2017
12. Tag - Hoffnung
Diese Nacht war nicht erholsam. Tatsächlich hatte ich einen schlimmen, verwirrenden Traum und ich bin gespannt, ob irgend was davon im realen Leben eintritt.
Nach der Blitzlichtrunde wollte eine Teilnehmerin uns ihr "Beruhigungsmittel" vorstellen. Das Stricken. Sie strickt das Wochenende über und kommt dadurch zur Ruhe. Für jeden Teilnehmer hat sie eine Tüte mit Strickanleitung, 2 Nadeln und Wolle bereitgehalten, und auch die Nadeln waren schon aufgenommen. Am Anfang waren vor allem die Männer skeptisch, doch jeder hat sich auf diesen Versuch eingelassen und am Ende ( ca. 30 Min.) herrschte eine gelöste, lustige Stimmung; wir konnten über uns selbst und über den anderen schmunzeln.
Den Genesungsweg zu gehen, erfordert viel Mut, Kraft und Ausdauer. Und etwas sehr wichtiges darf auch nicht fehlen: die Hoffnung darauf, dass eine positive Veränderung möglich ist. Es ist dann auch egal, an wen oder was wir glauben, wir dürfen nur niemals damit aufhören zu hoffen.
Diese Hoffnungslosigkeit habe ich mehrere Male stark gespürt. Alles war mir gleichgültig geworden, auch mein Leben. Lieber wollte ich "weggehen", als diesen Schmerz länger aushalten zu müssen. Und ganz am Tiefpunkt, flackerte doch irgend ein winzig kleines Licht. Es wollte mir sagen, gib nicht auf; es lohnt sich zu kämpfen. Manchmal bin ich der Überzeugung, dass mein Sternzeichen "Löwe" die Kraft und den Glauben an mich weitergibt. Die Hoffnung, dass unser Leben positiver wird, die Freude wiederkommt - das hält uns am Leben und dient uns als Motivation weiterzumachen.
Genesungsfördernde Faktoren sind auch:
- Bedeutung und Sinn
- Potential zur Veränderung
- Kontrolle
- Aktive Teilnahme
- Ganzheitlicher Ansatz und soziale Einbeziehung
- Umwelt
- Optimistischer und realistischer Ansatz
Mittagspause.
Eine weitere Teilnehmerin wollte uns dann ihre Methode zum Stressabbau vorstellen: Lachjoga. Fast alle haben mitgemacht, doch mit der Zeit gingen viele aus der Runde. Auch ich, denn auf Kommando lachen ist nicht mein Thema, das habe ich ja beim Stricken schon gemacht. Aber neue Erfahrungen zu sammeln ist ja wichtig!!!!
Danach eine weitere Aufgabe: mit einem Partner über unsere Erfahrung der Hoffnung zu sprechen und uns auszutauschen. Es war interessant, wie jeder Einzelne damit umgeht und seinen Weg geht, oder auch nicht weiterkommt und die Sichtweise des anderen vielleicht näher betrachtet und ausprobiert. Diese Gruppendynamik ist einfach toll, mir gibt das sehr viel Kraft und Zuversicht, dass es immer weitergeht mit mir und meinem Leben.
Bis bald. :)))
Nach der Blitzrunde durften wir endlich in den wohlverdienten Feierabend und beladen mit einem vollen Rucksack von schönen, rührenden und traurigen Momenten fuhr ich nach Hause. Dieses Wochenende gilt es nun zu verarbeiten!!!
Diese Nacht war nicht erholsam. Tatsächlich hatte ich einen schlimmen, verwirrenden Traum und ich bin gespannt, ob irgend was davon im realen Leben eintritt.
Nach der Blitzlichtrunde wollte eine Teilnehmerin uns ihr "Beruhigungsmittel" vorstellen. Das Stricken. Sie strickt das Wochenende über und kommt dadurch zur Ruhe. Für jeden Teilnehmer hat sie eine Tüte mit Strickanleitung, 2 Nadeln und Wolle bereitgehalten, und auch die Nadeln waren schon aufgenommen. Am Anfang waren vor allem die Männer skeptisch, doch jeder hat sich auf diesen Versuch eingelassen und am Ende ( ca. 30 Min.) herrschte eine gelöste, lustige Stimmung; wir konnten über uns selbst und über den anderen schmunzeln.
Den Genesungsweg zu gehen, erfordert viel Mut, Kraft und Ausdauer. Und etwas sehr wichtiges darf auch nicht fehlen: die Hoffnung darauf, dass eine positive Veränderung möglich ist. Es ist dann auch egal, an wen oder was wir glauben, wir dürfen nur niemals damit aufhören zu hoffen.
Diese Hoffnungslosigkeit habe ich mehrere Male stark gespürt. Alles war mir gleichgültig geworden, auch mein Leben. Lieber wollte ich "weggehen", als diesen Schmerz länger aushalten zu müssen. Und ganz am Tiefpunkt, flackerte doch irgend ein winzig kleines Licht. Es wollte mir sagen, gib nicht auf; es lohnt sich zu kämpfen. Manchmal bin ich der Überzeugung, dass mein Sternzeichen "Löwe" die Kraft und den Glauben an mich weitergibt. Die Hoffnung, dass unser Leben positiver wird, die Freude wiederkommt - das hält uns am Leben und dient uns als Motivation weiterzumachen.
Genesungsfördernde Faktoren sind auch:
- Bedeutung und Sinn
- Potential zur Veränderung
- Kontrolle
- Aktive Teilnahme
- Ganzheitlicher Ansatz und soziale Einbeziehung
- Umwelt
- Optimistischer und realistischer Ansatz
Mittagspause.
Eine weitere Teilnehmerin wollte uns dann ihre Methode zum Stressabbau vorstellen: Lachjoga. Fast alle haben mitgemacht, doch mit der Zeit gingen viele aus der Runde. Auch ich, denn auf Kommando lachen ist nicht mein Thema, das habe ich ja beim Stricken schon gemacht. Aber neue Erfahrungen zu sammeln ist ja wichtig!!!!
Danach eine weitere Aufgabe: mit einem Partner über unsere Erfahrung der Hoffnung zu sprechen und uns auszutauschen. Es war interessant, wie jeder Einzelne damit umgeht und seinen Weg geht, oder auch nicht weiterkommt und die Sichtweise des anderen vielleicht näher betrachtet und ausprobiert. Diese Gruppendynamik ist einfach toll, mir gibt das sehr viel Kraft und Zuversicht, dass es immer weitergeht mit mir und meinem Leben.
Bis bald. :)))
Nach der Blitzrunde durften wir endlich in den wohlverdienten Feierabend und beladen mit einem vollen Rucksack von schönen, rührenden und traurigen Momenten fuhr ich nach Hause. Dieses Wochenende gilt es nun zu verarbeiten!!!
Sonntag, 29. Januar 2017
Diese Seite ist die Fortsetzung des 11. Tages (bitte nochmal den 11. Tag anschauen, da kommt noch richtig viel :))
Tut mir leid, dass das mit der Skizze nicht so gut zu lesen ist. Doch das Programm verfügt nicht über große Möglichkeiten. Man kann das Bild nicht drehen. :((
Kurze Erläuterung: Dieser Pilgerweg ist meine Lieblingsjogging-Runde und hat ca. 110 Höhenmeter. Als ich mit dem Training vor Jahren anfing, kam ich nicht weit, doch mit der Zeit lief es besser und ich traute mir auch kleine Steigungen zu. Entlang diesem Pilgerweg stehen die Stationen (13 an der Zahl ), die Jesus auf dem Weg zu seiner Kreuzigung durchlebt hat und jedes mal, wenn ich an einer Station vorbeikam und ziemlich außer Atem war, dachte ich an ihn, und dass er wohl Schlimmeres ertragen hat und trabte weiter. So gelang es mir, den ganzen Pilgerweg zu schaffen und als Belohnung den wunderschönen Blick über Rheinhessen bis zum Donnersberg zu haben. Der Rückweg war leicht und beschwinglich: es ging nur noch bergab. Nicht nur körperlich hat mich das Laufen gestärkt, sondern auch psychisch. Ich traute mir immer mehr zu, bis ich sogar meine kleine Rückenschule eröffnete. Das gab mir unheimlich Rückenwind. Mein wichtigstes Ziel dieser Reise habe ich erreicht: emotional bin ich nicht mehr von meiner Mutter und deren Verhalten abhängig. Und das ist ein so tolles und befreiendes Gefühl, endlich gehe ich Selbst-bewusst durch mein Leben.
Als Abschluss dieses schweren Tages folgte noch die Blitzlichtrunde. Etwas war heute anders, keiner wollte anfangen. Die Anspannung war sprichwörtlich zu greifen, und es war Respekt zu spüren: vor einem selbst und auch gegenüber allen Teilnehmern, deren Geschichten wir jetzt kennen. Vieles wird wieder sehr schlecht zu verarbeiten sein, einen zu Tränen rühren und eine Kloß im Hals zu haben. Den hatte ich, einen richtigen Kloß im Hals. Ich konnte nicht viel sagen, erschlagen von dem gehörten und erlebten Dingen. Ich hoffe, ich habe keine Alpträume. Gute Nacht!
Dienstag, 24. Januar 2017
11. Tag - Definition Recovery
Es gibt viele verschiedene Begriffe für Recovery. Es bedeutet so viel wie Genesung, Gesundung oder Wiedererlangen von Gesundheit; der Begriff kommt aus dem Amerikanischen. In den 90er Jahren schlossen sich psychisch kranke Menschen zusammen um zu zeigen, dass sie trotz dieser negativen Prognosen gesundeten. Zunächst gilt es die Erkrankung anzuerkennen und zu behandeln. In der Klinik beginnen wir nach der Ursache zu suchen und erste Genesungsschritte zu machen. Ich spürte das daran, dass ich Schritt für Schritt wieder Kontakt mit meinem Körper hatte. Jeden Morgen musste ich nüchtern um 6:30 Uhr zum Kneippen gehen; dabei wird man mit Wechselduschen behandelt. Ich habe es über mich ergehen lassen; was habe ich gefroren. Danach gab es Frühstück und dann Frühsport und dabei lernte ich mich wieder kennen. Auch bemerkte ich dann beim Joggen den schönen Park, die singenden Vögel und die Blumen. Es wurde bunter in meinem Leben, aber nur sehr langsam. Ganze 12 Wochen dauerte es bis zur Rückkehr in meine Familie. Und es gab eine kleine Hoffnung auf ein "normales Leben", wobei ich keinen Gradmesser hatte, was das ist.
Seinen eigenen Gesundungsweg zu gehen ist eine lebenslange Aufgabe. Es geht darum, sich mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen, die dadurch vorerst zerbrochenen Lebensentwürfe und Selbstbilder zu betrauern. Mein Genesungsweg ist einzigartig, jeder geht anders damit um. Seit 4 Jahren kämpfe ich mich aus Wirrwarr an Gefühlen langsam aber sicher nach draußen, natürlich mache ich auch mal einen oder zwei Schritte nach hinten, doch im Vertrauen an mich marschiere ich weiter, in kleinen Etappen.
Ich habe ja schon oft und ausgiebig über meine Vergangenheit und die Erschütterung nachgedacht, aufgeschrieben, formuliert und mit anderen Teilnehmern diskutiert. Doch nichts hat mich so zurückgeworfen wie die Aufgabe, die uns dann gestellt wurde. Wir sollten anhand eines Zeitstrahles den Verlauf unseres Gesundungsweges darstellen. Es ist etwas ganz anderes, es aufzuschreiben oder zu malen. Bei der Betrachtung dieser Arbeit wurde mir schnell deutlich, was alles passiert war. Und das ist eine ganze Menge, es wundert mich nicht im geringsten mehr, warum ich mit 30 Jahren in eine Klinik eingeliefert wurde. Nichts ging mehr, Akku leer, keine Hoffnung und Perspektive. :((
Es gibt viele verschiedene Begriffe für Recovery. Es bedeutet so viel wie Genesung, Gesundung oder Wiedererlangen von Gesundheit; der Begriff kommt aus dem Amerikanischen. In den 90er Jahren schlossen sich psychisch kranke Menschen zusammen um zu zeigen, dass sie trotz dieser negativen Prognosen gesundeten. Zunächst gilt es die Erkrankung anzuerkennen und zu behandeln. In der Klinik beginnen wir nach der Ursache zu suchen und erste Genesungsschritte zu machen. Ich spürte das daran, dass ich Schritt für Schritt wieder Kontakt mit meinem Körper hatte. Jeden Morgen musste ich nüchtern um 6:30 Uhr zum Kneippen gehen; dabei wird man mit Wechselduschen behandelt. Ich habe es über mich ergehen lassen; was habe ich gefroren. Danach gab es Frühstück und dann Frühsport und dabei lernte ich mich wieder kennen. Auch bemerkte ich dann beim Joggen den schönen Park, die singenden Vögel und die Blumen. Es wurde bunter in meinem Leben, aber nur sehr langsam. Ganze 12 Wochen dauerte es bis zur Rückkehr in meine Familie. Und es gab eine kleine Hoffnung auf ein "normales Leben", wobei ich keinen Gradmesser hatte, was das ist.
Seinen eigenen Gesundungsweg zu gehen ist eine lebenslange Aufgabe. Es geht darum, sich mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen, die dadurch vorerst zerbrochenen Lebensentwürfe und Selbstbilder zu betrauern. Mein Genesungsweg ist einzigartig, jeder geht anders damit um. Seit 4 Jahren kämpfe ich mich aus Wirrwarr an Gefühlen langsam aber sicher nach draußen, natürlich mache ich auch mal einen oder zwei Schritte nach hinten, doch im Vertrauen an mich marschiere ich weiter, in kleinen Etappen.
Ich habe ja schon oft und ausgiebig über meine Vergangenheit und die Erschütterung nachgedacht, aufgeschrieben, formuliert und mit anderen Teilnehmern diskutiert. Doch nichts hat mich so zurückgeworfen wie die Aufgabe, die uns dann gestellt wurde. Wir sollten anhand eines Zeitstrahles den Verlauf unseres Gesundungsweges darstellen. Es ist etwas ganz anderes, es aufzuschreiben oder zu malen. Bei der Betrachtung dieser Arbeit wurde mir schnell deutlich, was alles passiert war. Und das ist eine ganze Menge, es wundert mich nicht im geringsten mehr, warum ich mit 30 Jahren in eine Klinik eingeliefert wurde. Nichts ging mehr, Akku leer, keine Hoffnung und Perspektive. :((
Kaffeepause.
Es war richtig schwer, sich wieder auf die kommende Aufgabe zu konzentrieren. Doch der Schultag war ja noch nicht zu Ende. Wir haben ja gerade gelernt, was Recovery für jeden Einzelnen bedeutet und wie man lernt, mit seiner Erkrankung zu leben. Wir dürfen unsere Recovery-Geschichte als klassische Heldenreise (nach Watkins) betrachten. Beide Geschichten bestehen aus mehreren Etappen: dem Ruf; der Mentor; die Schwelle; der Weg und die Rückkehr.
In seinem Buch "Recovery - wieder genesen können", benutzt Watkins die Metapher der Reise bzw. der Heldenreise von Odysseus, um diesen oftmals sehr komplexen Prozess zu veranschaulichen. Hier ein kurzer Abriss: Odysseus war ein Herrscher oder König in Griechenland. Er hat ausschlaggebend dazu beigetragen, dass Troja eingenommen werden konnte - Troja die Stadt, die als unbesiegbar galt. Anstatt hierfür die Lorbeeren zu ernten, musste er sich den Göttern stellen, mit denen er es sich vorher verscherzt hatte. Sein sehnlichster Wunsch nach Hause zurückzukehren wo ihn seine Familie erwartete musste warten, denn die Götter verschlugen ihn ans andere Ende der Welt. Er irrte 10 Jahre umher und musste sämtliche Prüfungen bestehen, bis er nach Hause durfte."
Wen ich jetzt neugierig gemacht habe und ihr mehr wissen wollt, hier der Link zu diesem Buch "Recovery- wieder genesen können" :
Die nachfolgende Aufgabe fand ich gar nicht schwer - hatte ich sie ja vor nicht allzu langer Zeit durchlebt und vor Augen, jede Kleinigkeit.
Meine eigene Heldenreise: Eine Bestandsaufnahme - was habe ich erreicht, wo möchte ich hin und was ist dazu notwendig? Ich hoffe, die unter stehende Skizze ist zu lesen.
10. Tag - Recovery
Dieses Mal fuhr ich mit einem komischen Gefühl zur Schule. Zwischen diesen beiden Modulen ist mein Vertrauen in unterschiedlichen Punkten erschüttert worden, es geschahen Dinge die mich sehr bewegten und Gefühle tauchten auf, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Im Innersten hoffte ich, dass es nicht geschieht. Stellte mich dann darauf ein und versuchte irgendwie durch diesen Tunnel zu kommen, ohne viel Schaden davonzutragen. Immer wieder wird mir so viel abverlangt auf meinem Weg zu bleiben, da passte dieses Thema genau. Ohne zu wissen, was auf mich zukam, welche Erschütterungen kommen sollten, starteten wir mit der Blitzlichtrunde. Ich war nicht allein mit meinen Gefühlen; viele hatten über die Feiertage Ähnliches erlebt.
Recovery - wieder genesen können. Hört sich gut an, aber: was bedeutet das für mich?
Die erste Diskussionsrunde hatte das Thema: Was macht für mich Lebensqualität aus bzw. was macht das Leben für mich lebenswert? Es wurde ausgiebig diskutiert und aufgeschrieben, nachgedacht und man hat richtig gespürt, wie sehr es in uns arbeitet. Was sehr erstaunlich war, keiner der Teilnehmer hat über materielle Dinge wie Haus, Auto, gut bezahlter Job, tolle Reisen gesprochen (natürlich aber über ein Einkommen, mit dem man seinen Lebensstandard finanzieren kann). Am wichtigsten sind für uns die Punkte: Angenommen sein wie man ist, Achtsamkeit mit sich selbst, Zeit für Hobbies zu haben, einfach sein zu können ohne etwas leisten zu müssen. Freunde und Familie um sich zu haben, die für uns da sind (in guten wie in schlechten Zeiten) und natürlich Gesundheit. Ist doch nichts besonderes denkt ihr bestimmt, doch für uns als Betroffene sind das sehr wichtige Dinge, die wir lange nicht erleben konnten; geschweige denn uns traute, es auszusprechen oder einzufordern.
Grundannahmen von Recovery
- Gesundung ist auch bei schweren psychischen Erkrankungen möglich!
- ohne Hoffnung geht es nicht!
- jeder Genesungsweg ist anders!
- Gesundung ist kein linearer Prozess!
- Gesundung geschieht auch, wenn Symptome fortbestehen und Krisen auftreten!
- Krankheit und Gesundung verändern Menschen!
- Gesundung ist mit, ohne und "trotz professioneller Hilfe" möglich!
Kaffeepause.
Danach wieder eine kleine Gruppe wählen (hatte wirklich schwierige Teilnehmer bei mir) und das Thema: Wie definiere ich für mich Recovery. Wir sollten einen Vortrag vorbereiten, was nicht machbar war. Mit einer Teilnehmerin hatte ich schon am Anfang es Kurses Schwierigkeiten; sie verlässt heulend die Runde, weil sie was falsch versteht oder es zu persönlich nimmt. So auch dieses Mal. Die Dozentin fragte, ob wir im Gespräch sind. Ich verneinte und sagte dass es nicht möglich wäre etwas zu schreiben. Irgendwann war die Zeit zu Ende und wir hatten kein Ergebnis, die anderen zwei Teilnehmer wirkten auch nicht aktiv mit. In der großen Diskussionsrunde musste ich dann darüber sprechen, warum es uns nicht gelungen ist. Ufff! Damit war aber das Thema noch nicht erledigt, ich wurde nach draußen gerufen, um mit der betreffenden Person zu reden. Ich fragte sie, was denn vorhin ihr Problem mit mir gewesen sei. Sie: ich habe was missverstanden!!!! (den weiteren Dialog erspare ich euch).
In der abschließenden Blitzlichtrunde geschah dann etwas Unerwartetes: Sie bedankte sich bei mir in aller "Öffentlichkeit", durch meine Bemerkung wurde ihr klar, was eigentlich ihr Problem ist. Zum ersten Mal sah sie die Beziehung zwischen Geld und Lebensmittel, die ganze Verstrickung zu ihrer Mutter und ihrer Vergangenheit. Sie wüsste aber nicht so genau, warum ich sie immer an bestimmten Punkten antriggern würde, es passierte eben. Ich musste ein paar Mal schlucken, damit hätte ich nicht gerechnet.
Endlich Feierabend, doch der Abend ging noch weiter. Ein Teilnehmer hatte Karten für das Gerry-Jansen-Theater organisiert und 14 Mitstreiter gingen mit. Wir haben so viel gelacht, es war ein super Abschluss von einem sehr bewegenden Tag.
Dieses Mal fuhr ich mit einem komischen Gefühl zur Schule. Zwischen diesen beiden Modulen ist mein Vertrauen in unterschiedlichen Punkten erschüttert worden, es geschahen Dinge die mich sehr bewegten und Gefühle tauchten auf, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Im Innersten hoffte ich, dass es nicht geschieht. Stellte mich dann darauf ein und versuchte irgendwie durch diesen Tunnel zu kommen, ohne viel Schaden davonzutragen. Immer wieder wird mir so viel abverlangt auf meinem Weg zu bleiben, da passte dieses Thema genau. Ohne zu wissen, was auf mich zukam, welche Erschütterungen kommen sollten, starteten wir mit der Blitzlichtrunde. Ich war nicht allein mit meinen Gefühlen; viele hatten über die Feiertage Ähnliches erlebt.
Recovery - wieder genesen können. Hört sich gut an, aber: was bedeutet das für mich?
Die erste Diskussionsrunde hatte das Thema: Was macht für mich Lebensqualität aus bzw. was macht das Leben für mich lebenswert? Es wurde ausgiebig diskutiert und aufgeschrieben, nachgedacht und man hat richtig gespürt, wie sehr es in uns arbeitet. Was sehr erstaunlich war, keiner der Teilnehmer hat über materielle Dinge wie Haus, Auto, gut bezahlter Job, tolle Reisen gesprochen (natürlich aber über ein Einkommen, mit dem man seinen Lebensstandard finanzieren kann). Am wichtigsten sind für uns die Punkte: Angenommen sein wie man ist, Achtsamkeit mit sich selbst, Zeit für Hobbies zu haben, einfach sein zu können ohne etwas leisten zu müssen. Freunde und Familie um sich zu haben, die für uns da sind (in guten wie in schlechten Zeiten) und natürlich Gesundheit. Ist doch nichts besonderes denkt ihr bestimmt, doch für uns als Betroffene sind das sehr wichtige Dinge, die wir lange nicht erleben konnten; geschweige denn uns traute, es auszusprechen oder einzufordern.
Grundannahmen von Recovery
- Gesundung ist auch bei schweren psychischen Erkrankungen möglich!
- ohne Hoffnung geht es nicht!
- jeder Genesungsweg ist anders!
- Gesundung ist kein linearer Prozess!
- Gesundung geschieht auch, wenn Symptome fortbestehen und Krisen auftreten!
- Krankheit und Gesundung verändern Menschen!
- Gesundung ist mit, ohne und "trotz professioneller Hilfe" möglich!
Kaffeepause.
Danach wieder eine kleine Gruppe wählen (hatte wirklich schwierige Teilnehmer bei mir) und das Thema: Wie definiere ich für mich Recovery. Wir sollten einen Vortrag vorbereiten, was nicht machbar war. Mit einer Teilnehmerin hatte ich schon am Anfang es Kurses Schwierigkeiten; sie verlässt heulend die Runde, weil sie was falsch versteht oder es zu persönlich nimmt. So auch dieses Mal. Die Dozentin fragte, ob wir im Gespräch sind. Ich verneinte und sagte dass es nicht möglich wäre etwas zu schreiben. Irgendwann war die Zeit zu Ende und wir hatten kein Ergebnis, die anderen zwei Teilnehmer wirkten auch nicht aktiv mit. In der großen Diskussionsrunde musste ich dann darüber sprechen, warum es uns nicht gelungen ist. Ufff! Damit war aber das Thema noch nicht erledigt, ich wurde nach draußen gerufen, um mit der betreffenden Person zu reden. Ich fragte sie, was denn vorhin ihr Problem mit mir gewesen sei. Sie: ich habe was missverstanden!!!! (den weiteren Dialog erspare ich euch).
In der abschließenden Blitzlichtrunde geschah dann etwas Unerwartetes: Sie bedankte sich bei mir in aller "Öffentlichkeit", durch meine Bemerkung wurde ihr klar, was eigentlich ihr Problem ist. Zum ersten Mal sah sie die Beziehung zwischen Geld und Lebensmittel, die ganze Verstrickung zu ihrer Mutter und ihrer Vergangenheit. Sie wüsste aber nicht so genau, warum ich sie immer an bestimmten Punkten antriggern würde, es passierte eben. Ich musste ein paar Mal schlucken, damit hätte ich nicht gerechnet.
Endlich Feierabend, doch der Abend ging noch weiter. Ein Teilnehmer hatte Karten für das Gerry-Jansen-Theater organisiert und 14 Mitstreiter gingen mit. Wir haben so viel gelacht, es war ein super Abschluss von einem sehr bewegenden Tag.
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